Der feine, aber entscheidende Unterschied…
Hast du dich schon mal emotional ausgelaugt gefühlt, weil du mit jemandem mitgefühlt hast?
Vielleicht war es gar keine Empathie, sondern Mitleid. Dieser Unterschied ist subtil, aber essentiell – nicht nur für unser eigenes Wohlbefinden, sondern auch für die Menschen, denen wir helfen wollen.
Empathie vs. Mitleid – Wo liegt der Unterschied?
Empathie – Mitfühlen ohne sich zu verlieren
Empathie bedeutet, das Leid eines anderen zu spüren, aber dabei in der eigenen Kraft zu bleiben. Empathie ist geprägt von Akzeptanz und Nicht-Wertung. Wenn wir empathisch sind, signalisieren wir dem anderen: „Ich bin für dich da. Ich sehe dich. Und ich glaube an dich.“
Beispiel für empathische Kommunikation:
„Ich sehe, dass das schwer für dich ist. Aber ich glaube an dich. Du wirst deinen Weg finden.“
Die Person fühlt sich gesehen, aber auch in ihrer eigenen Stärke bestätigt.
Mitleid – Wenn das Leid uns selbst runterzieht
Mitleid hingegen bedeutet, das Leid des anderen so stark aufzunehmen, dass es uns selbst erschöpft oder gar überwältigt, dass wir uns ggf. darin verlieren. Wir bewerten die Situation als „schlimm“ oder „ausweglos“ und projizieren oft eigene Ängste oder Hilflosigkeit hinein.
Beispiel für mitleidende Kommunikation:
„Oh nein, du Arme/r, das ist ja furchtbar… Ich wünschte, ich könnte das für dich lösen…“
Hier fühlt sich die Person noch schlechter, hilfloser und schwächer – weil ihr indirekt die Kompetenz abgesprochen wird, ihre Situation zu bewältigen.
Bildhaftes Beispiel: Ufer oder Wasser?
Empathie ist, als würdest du jemanden am Ufer ermutigen, aus dem Wasser zu steigen.
Mitleid ist, wenn du mit ihm ins Wasser springst und selbst untergehst – oder ihn schlimmstenfalls noch weiter hinein drückst.
Wenn wir mitleiden, verlieren wir uns im Schmerz des anderen, anstatt ihm eine hilfreiche Perspektive zu geben.
Warum Mitleid uns erschöpft
- Wir nehmen das Leid des anderen auf, können es aber nicht wirklich lösen.
- Wir gehen in eine Wertung („Das ist ja schrecklich“), die das Problem emotional größer macht.
- Es führt zu Erschöpfung, Schmerz und der Gefahr, sich selbst in fremden Problemen zu verlieren.
Empathie hält uns hingegen in unserer eigenen Stabilität – und genau das gibt dem anderen Kraft.
Wie bleibt man in der Empathie, ohne ins Mitleid zu fallen?
Bewusst die eigene Energie halten. Spüre, was dich berührt, aber verliere dich nicht darin.
Dem anderen Raum geben, aber nicht sein Leid übernehmen. Du kannst da sein, ohne „retten“ zu müssen.
Mitgefühl zeigen, aber eigene Grenzen wahren. Es ist okay, emotional berührt zu sein – aber du musst nicht mitleiden.
Akzeptanz für das Leid, den Zustand des anderen. Akzeptiere, dass der andere durch seine eigenen Prozesse gehen muss und sprich ihm eigene Kraft zu.
Reflexionsfrage zum Abschluss:
Kennst du Situationen, in denen du eher im Mitleid als in der Empathie warst? Wie hat es sich angefühlt?
Teile deine Gedanken in den Kommentaren oder reflektiere für dich selbst, wie du Empathie bewusster leben kannst. 😊